Eisenbahn im Film  –  Rail Movies 
 

 

 

 

Avanti!

 

Art: Spielfilm
Produktion: USA 1972
Deutscher Verleihtitel: Avanti, Avanti!
Regie: Billy Wilder
Farbe: DeLuxe
Laufzeit: 140'

 

Inhalt

Wendell Armbruster Jr. (Jack Lemmon) – amerikanischer Tycoon in der Stahlindustrie – reist nach Italien, um die Rückführung seines Vaters zu organisieren, welcher während einer Dienstreise durch einen Autounfall tödlich verunglückt ist.

Im Zug nach Neapel trifft er zufällig auf die Engländerin Pamela Piggott (Juliet Mills), welche ebenfalls nach Ischia unterwegs ist, um an der Beisetzung ihrer Mutter teilzunehmen, die – ganz und gar nicht zufällig – auch Opfer eines Autounfalls wurde.

 

Eisenbahn

Im Film ist der Zug – eine Garnitur ALe 601 der FS – kurz zu sehen, wie er entlang der Mittelmeerküste rollt – unweit des Golfs von Gaeta. Die darauf folgende Szene spielt im Speisewagen und zeigt das erstmalige Zusammentreffen der beiden Hauptprotagonisten am gleichen Tisch.

Die Route – Direttisima Roma–Napoli

Die Anreise von Baltimore erfolgt via New York mit einer Linienmaschine der ehemaligen Pan Am nach Rom „Fiumicino“ – nachmalig „Leonardo da Vinci“. Die Weiterreise per Bahn beginnt mittags im Hauptbahnhof „Roma Termini“, welcher erst 1950 eröffnet wurde und damals wie heute als einer der schönste Bahnhöfe der Welt gilt. Anstelle der alten, ungünstig trassierten Linie über Capua und Casserta (welche sich noch an die antike „Via Latina“ anlehnte), benutzt der Expresszug die am 30. Oktober1927 eröffnete „Direttissima“ über Formia und Aversa (entsprechend der antiken „Via Appia“), die seit 1935 elektrisch betrieben wird. Dank der vor allem im Bereich der thyrrenischen Küste vorhandenen Kunstbauten – als Beispiel sei der über sieben Kilometer lange Tunnel „Galleria Vivola“ bei Formia erwähnt – weist die doppelgleisige Strecke eine hervorragende Trassierung auf. Die letzten vier Kilometer bis „Napoli Piazza Garibaldi“ verlaufen unterirdisch. Von Neapels größerem Hafen „Molo Beverello“ aus verkehren dann die „Traghetti“ (Fähren), „Aliscafi“ (Tragflügelboote) und Wassertaxis nach den weltberühmten Inseln Ischia und Capri.

Der Zug – Il Peloritano

Beim Expresszug handelt es sich wahrscheinlich um den „Peloritano“, welcher ab 1965 als schnellste Tagesverbindung zwischen Rom und Palermo verkehrte. Dazumal bewältigte der „Rapido“ die Distanz von 889 Kilometern in nur elfeinhalb Stunden, wobei die Komposition jeweils über den „Stretto“ (die Meerenge zwischen Messina und Villa San Giovanni) trajektiert wurde. Dafür besaß die Staatsbahn insgesamt neun Eisenbahnfähren, wobei die damals modernsten – die von 1968 bis 1972 beschafften IGINIA, SIBARI und ROSALIA – 43 Güterwagen und 130 Autos fassen konnten. Für den Verschub in Messina Marittima waren Dieselloks der Reihe D 143 im Einsatz, welche nach dem Zweiten Weltkrieg von der US-Army übernommen worden waren. Bis etwa Ende der 1980er Jahre wurde der „Peloritano“ ausschließlich mit den zweiteiligen Elektrotriebwagen vom Typ ALe 601 gefahren, welche nur die erste Klasse führten und einen Vollspeisewagendienst am Platz anboten. Die erste Lieferung der vollklimatisierten und 200 km/h schnellen Garnituren erfolgte 1961, weitere Tranchen wurden bis 1973 in Betrieb genommen. Bei Bedarf konnten mehrere der komfortablen Einheiten in Vielfachsteuerung gekoppelt werden und kamen so auch für die namhaften Anschlüsse des „Peloritano“ nach Norden zum Einsatz, etwa im „Freccia della Laguna“ nach Venedig.

Seinen Namen bekam der „Peloritano“ von der gleichnamigen Gebirgslandschaft, welche den nordöstlichen Teil Siziliens beherrscht. Während die Südstrecke Messina – Syrakus entlang der Küste bis Taormina von den teilweise stark zerklüfteten „Monti Peloritani“ – geologisch die Fortsetzung des Appenin – flankiert wird, durchstösst die nördliche Linie nach Palermo gleich hinter Messina die Bergkette (mit Gipfeln von bis zu 1300 Metern Höhe) in einem fünf Kilometer langen Tunnel (Galleria dei Peloritani).

In den 1930er Jahren verkehrten die ersten „Rapidi“ auf Sizilien mittels Fiat-Dieseltriebwagen vom Typ ALn 56, notabene mit zweiter und dritter Klasse. Während der 1940er Jahre übernahmen die neuen ALn 772 diesen Service, wobei die Rapido-Verbindungen nach dem Zweiten Weltkrieg mittels Trajektierung über die „Strasse von Messina“ bis nach Reggio di Calabria ausgeweitet und mit den Anschlüssen nach Taranto und Bari abgeglichen wurden. Bereits 1955 war die Strecke von Messina nach Palermo durchgehend elektrifiziert, 1960 erreichte der Fahrdraht mit 3000 Volt Gleichstrom von Catania her dann auch Syrakus.

 

Autor dieser Filmbesprechung: Manuel Gurtner
Online: 05.08.2002
html-Status: 13.10.2009

 

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