| Eisenbahn im Film – Rail Movies |
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Love and Bullets
Art: Spielfilm
InhaltCharlie Congers (Charles Bronson) ist ein abgebrühter Cop aus Phoenix (US-Bundesstaat Arizona), welcher den Mafioso Joe Bomposa (Rod Steiger) als Boss eines Drogensyndikats unbedingt in den Knast bringen will. Deshalb reist der Lieutenant im Auftrag des FBI 1) inkognito in die Schweiz, um Jackie Pruit (Jill Ireland) – die naive Ex-Geliebte des Drogenbarons, welche in einem „goldenen Käfig“ bei Zermatt kaltgestellt wurde – als Kronzeugin in die USA zurückzuholen.
EisenbahnDiese touristisch nicht uninteressante Odyssee, welche zuerst in den Kanton Wallis nach Zermatt und über das Berner Oberland bei Kandersteg zurück an die Gestade des Genfersees nach Montreux und Genf führt, kann oberflächlich betrachtet durchaus unter dem Motto „Trains, Planes and Automobiles“ zusammengefasst werden. Nebst diversen skurrilen Einfällen – beispielsweise kämpft der Mafiaboss mit dem Handikap des Stotterns, wogegen einer seiner Killer offensichtlich schwerhörig ist – wartet der teilweise parodistisch gefärbte Action-Thriller auch mit den bei anglo-amerikanischen Produktionen üblichen geografischen Ungereimtheiten auf. Immerhin fanden die Dreharbeiten in der Schweiz im Frühwinter 1978 durchwegs an den Originalschauplätzen statt – Co-Produzent Sir Lew Grade konnte dabei auf seine Erfahrungen aus „The Cassandra Crossing“ zurückgreifen – was dem britischen Streifen dennoch das gewisse Etwas verleiht. Einer der Höhepunkte dieser mitunter turbulenten Verfolgungsjagd ist ein spektakulärer Stunt, bei dem der Held seinen Wagen von einem fahrenden Autozug herunter und über die Bahnböschung hinab in den Tiefschnee steuert, um sich und die Kronzeugin vor der Mafia zu retten. Von Phoenix (AZ) nach Zermatt (VS)Charlie gelangt mit einem Direktflug der damaligen TWA von New York nach Genf-Cointrin, von wo es mit einem roten Peugeot 504 – ein AVIS-Mietwagen mit dem Kfz-Schild GE 4970 – weiter Richtung Zermatt geht. Am Bahnhof Stalden-Saas parkiert Congers den Wagen und entert danach einen Pendelzug der BVZ (Brig–Visp–Zermatt), um nach dem autofreien Zermatt zu gelangen, wo der Cop an der Bahnhofstrasse im ehrwürdigen Hotel „Monte Rosa“ 2) absteigt. Zu sehen ist während mehreren Einstellungen der Gepäcktriebwagen Nº 24 vom Typ Deh 4/4 (Achsfolge Bo’Bo’) mit dem Wappen der Gemeinde Täsch, dessen originale Zweiton-Warnpfiffe allerdings bei der Nachvertonung durch völlig unpassende Hornsignale einer US-Diesellok ersetzt wurden.
Von Zermatt nach Brig (VS)Später wird in derselben BVZ-Komposition kurz vor der Abfahrt in Zermatt ein bizarrer Mordanschlag verübt, als der bereits erwähnte schwerhörige Ritchie dem abtrünnigen Lobo (Michael V. Gazzo) eine Ahle (!) von hinten und durch die Sitzlehne hindurch direkt ins Herz rammt. In der Folge verlassen auch Charlie und seine vermeintliche Kronzeugin im Zug den weltbekannten Kurort am Fuß des Matterhorns und wechseln in Stalden wieder in den nach wie vor parkierten Peugeot, welcher aber bereits von den Gangster um Profikiller Vittorio Farroni (Henry Silva) observiert wird. Während der gewundenen Fahrt nach Brig hinunter bemerkt Congers im Rückspiegel schnell einmal den dunklen Benz mit italienischen Kfz-Schildern und entscheidet sich daher für den Autoverlad der BLS (Bern–Lötschberg–Simplon) Richtung Kandersteg mit der Hoffnung, die Verfolger abschütteln zu können. Von Brig (VS) nach Kandersteg (BE)Nachdem Bronsons Wagen als erster in einer Reihe von Autos verladen worden ist, folgen einige eindrucksvolle Luftaufnahmen des auf der Lötschberg-Südrampe bergwärts fahrenden Autozuges, wobei auch die Kreuzung mit dem talwärtsfahrenden Gegenzug beobachtet werden kann, bevor die von einer braunen Elektrolok der BLS-Baureihe Re 4/4 (Achsfolge Bo’Bo’) geschleppte Komposition nach einer weiten Rechtskurve in einem Tunnel 3) verschwindet. Kurz nach dem Passieren des Lötschberg-Nordportals erfolgt dann die bereits erwähnte Stunteinlage – übrigens ausgeführt vom berühmten französischen Stuntman Remy Julienne – wobei der Peugeot schließlich in die Umzäumung einer Trafostation kracht, danach Feuer fängt und daraufhin ausbrennt. 3) Hohtenn-Tunnel (Länge 1348 Meter), wobei die Handlung suggeriert, es handle sich bereits um den Lötschberg-Tunnel (Länge 14612 Meter)Von Kandersteg nach Montreux (VD)Nach einer Nacht in einer Alphütte irgendwo im Kandertal wird die weitere Fluchtroute ziemlich diffus insofern, als die Drehorte in bezug auf die Handlung nicht mehr linear korrespondieren, sondern für Ortskundige oder Eisenbahnkenner auf konfuse Art und Weise zusammengewürfelt erscheinen. Nachdem Congers und die Pruit eine verschneite Bergflanke erklommen haben, stoßen die beiden unvermittelt auf die Station „Riffelalp“ der meterspurigen und mit Dreiphasen-Wechselstrom (725 V/50 Hz) elektrifizierten Gornergrat-Bahn (GGB), welche von Zermatt aus den Gornergrat erschließt. Von den Killern in einem Helikopter verfolgt, können sich die Flüchtenden gerade noch in einen bergwärtsfahrenden GGB-Doppeltriebwagen vom Typ Bhe 4/8 (Baujahr 1965) retten, derweil auf dem Ausweichgeleise ein GGB-Triebwagen vom Typ Bhe 2/4 (Baujahr 1949) ausgemacht werden kann. Auf der Bergstation erfolgt ohne Umschweife der Wechsel zur Luftseilbahn der LZT, deren blaue Kabine Nº 11 kurz darauf talwärts entschwebt. Anschließend schwenkt die Szenerie unvermittelt wieder zurück ins Berner Oberland und zeigt den alufarbenen Wagenkasten der Niesenbahn (NB), deren Trasse von Niesen-Kulm (2340 Meter ü. M.) mit einem Gefälle von bis zu 68 Prozent nach Mülenen hinunterführt. Von der Talstation der NB geht die atemlose Flucht zunächst entlang der Zufahrtsstraße weiter, wobei beim Passieren der Brücke über die Kander die Kameraposition so gewählt wurde, dass die unmittelbar davor liegende BLS-Trasse zwischen Frutigen und Spiez nicht ins Blickfeld ragt. Schließlich wird der Held und seine Kronzeugin von einem Bauern auf seinem Motorkarren (!) mitgenommen, wobei bereits in der folgenden Einstellung die Seepromenade von Montreux zu sehen ist, wo sich der Held mit der Kronzeugin im „Hotel de Londres“ einquartiert hat, um später während einer (fiktiven) nächtlichen Schiffspassage nach Genf zu gelangen. Offensichtlich wurde die „La Suisse“ 4) speziell für die Dreharbeiten bei der „Compagnie Générale de Navigation sur le Lac Léman“ (CGN) nach Ende der fahrplanmäßigen Saison gechartert. Während der nächtlichen Szenerie kann außerdem im Hintergrund ein blau-weißer Trolleybus (O-Bus) mit Personenanhänger der Verkehrsbetriebe VMCV (Villeneuve – Montreux – Clarens – Vevey) ausgemacht werden. 4) Schaufelrad-Dampfer mit Baujahr 1910, Flaggschiff der CGN-Flotte
Autor dieser Filmbesprechung: Manuel Gurtner
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