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Bahn-Fundgrube Industriefilm
Im Zwei-Jahres-Rhythmus findet die Retrospektive „IndustrieFilm Ruhr“
im Essener Filmtheater „Eulenspiegel“ statt. Das verspricht „Augenfutter“
und eine regelrechte Fundgrube für den Bahnfreund, geht es doch in vielen der gezeigten Filme auch
um „Transport“ in allen Schattierungen. Industriekulissen aus vergangenen Tagen werden
natürlich ebenfalls geboten. Für „Eisenbahn im Film – Rail Movies“ hier meine Auswertung
der dort in den Jahren 2003, 2005, 2007, 2009 und (zum Sondertermin) 2010 vorgestellten Streifen, angeordnet in der
Reihenfolge ihrer Produktionsjahre.
Im Rahmen der Kulturveranstaltung „Ruhr 2010“ haben sich die Organisatoren der
„IndustrieFilm Ruhr“ entschlossen, außerhalb des zweijährigen Rhythmus am 31.10.2010
einen Kinotag einzulegen. Es gab nur einen Tag mit Filmvorführungen (jedoch kein Begleitheft) und einen anderen
Spielort, nämlich das Filmstudio im „Glückauf-Haus“ in Essen.
Gezeigt wurden 2010 zwei Blocks mit Beiträgen. Der Nachmittag war einer Art „Best of“
aus den vergangenen Veranstaltungen vorbehalten. Diesen Block habe ich nicht besucht, da ich diese Filme alle schon
gesehen habe; Sie finden sie auf hier dieser Seite weiter unten besprochen. Der Abendblock bestand nur aus drei Filmen, die dafür aber auch zum Teil sehr lang
waren. Sie wurden jeweils zum erstenmal und in der längstmöglichen Fassung gezeigt:
„Feuer an der Ruhr – Werkstatt für Europa“ (BRD 1957), „Riesenstadt Ruhrgebiet“ (BRD 1964) und
„Landschaft und Wirtschaft am Niederrhein“ (D 1925).
Landschaft und Wirtschaft am Niederrhein
Produktion: Deutschland 1925
Regie: unbekannt
Laufzeit: 79'
schwarzweiß, Stummfilm mit Zwischentiteln
Dies ist einer der ältesten Filme über das Ruhrgebiet überhaupt, noch dazu fast
in Spielfilmlänge. Die im Jahr 2010 gezeigte Kopie ist eine 16-mm-Version, die beim Umkopieren leider ungenau
bearbeitet wurde und dadurch abgeschnittene Ränder aufweist, also nicht alles wiedergibt, was die Originalfassung
enthält. Gleichwohl ist es die am vollständigsten erhaltene Filmfassung.
Nachdem Ruhrbesetzung und Inflation überwunden waren, ging es mit der Wirtschaft im Deutschen
Reich wieder aufwärts. Dies war möglicherweise der Grund für die Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel,
bei der Berliner Deulig Film AG einen Film über ihren Zuständigkeitsbereich in Auftrag zu geben.
Der Streifen beschreibt eine Reise von Duisburg rechtsrheinisch den Rhein hinab, bis Emmerich und dann
auf der linken Seite wieder hinauf bis Duisburg. Dabei folgt er meist dem gleichen Schema: Er zeigt historische Gebäude,
Kirchen und Innenstadtaufnahmen, dann folgen die Industriebetriebe und Hafenanlagen. Aufgeteilt ist er in sechs Kapitel,
in denen einzelne Texttafeln Auskunft geben, ansonsten müssen die Bilder für sich selbst sprechen. Teilweise gibt
es Einblicke in die Produktion, und naturgemäß nimmt die Montanindustrie einen großen Raum ein. Lediglich
im ländlichen Niederrhein finden sich Aufnahmen von landwirtschaftlichem Geschehen, da ist eine Schokoladenfabrik schon
das höchste der industriellen Gefühle.
Die filmische Darstellung ist aus heutiger Sicht ziemlich simpel. In der Regel wird einfach nur abgefilmt,
was gerade vor der Kamera passiert. Auch eine Fahrt durch den Duisburger Hafen zeigt lediglich Schiff an Schiff und
Verladetätigkeiten. Der Film hat dadurch zwar einige Längen, ist aber letztendlich sehr authentisch. Schwenks und
Schnitte sind zum Teil einfach gehalten, sämtliche Personen im Bild sind jeweils zufällig vorhandene Passanten oder
Arbeiter. Duisburg nimmt großem Raum in dem Film ein, und es sind sogar animierte Grafiken über diverse
Produktionszahlen und Statistiken aus dem Handwerkskammerbezirk eingebaut. Für die damalige Zeit erstaunlich
gut gemacht ist eine animierte Grafik über den Ausbau der Duisburger Häfen.
Aber, wie sollte es auch anders sein, der Eisenbahnfan findet auch hier zahlreiche Schienenfahrzeuge.
Bei den Rheinischen Stahlwerken in Duisburg rangiert eine elektrische Werkbahnlok. Eine zweite Ellok fährt mit einem
Kübelwagenzug durch das Werk. Im Hafen wird ausführlich die Funktion einer Waggonkippanlage für die Entladung
auf Schiffe gezeigt, dazu kommt noch eine 90-Grad-Drehscheibe.
In Duisburg und Oberhausen sehen wir alte Straßenbahnwagen. Auf der Schleuse des Rhein-Herne-Kanals
zieht eine Treidellok einen Lastkahn aus der Schleuse. Bei der Gutehoffnungshütte (GHH) schiebt nicht nur eine von
Hohenzollern gebaute Dampflok des Typs „Krefeld“ (Cn2t) einen Zug durchs Bild, sondern es rangiert auch eine der
zu diesem Zeitpunkt bereits alte Schlepptenderlok. Möglicherweise handelt es sich um eine der zahlreichen, gebraucht an
die GHH gegangenen Dampfloks der früheren preußischen Gattung G 7.1 (Bauart Dn2).
Weitere Straßenbahnen bekommt man dann noch in Hamborn zu sehen, wo auch ein Dampfzug ins Bild kommt.
In Emmerich schließlich fährt eine Tram über den Marktplatz, ebenso in Moers.
Für den Liebhaber anderer Verkehrsmittel dürften die zahlreichen Dampfschlepper oder auch Lkw in
dem Film sicher ebenso ein Vergnügen sein.
Gefahren des Verkehrs
weiterer Titel: „Unterstützt die Verkehrswacht“
Produktion: Deutschland 1930
Regie: unbekannt
Laufzeit: 18'
schwarzweiß, Stummfilm mit Zwischentiteln
Lange vor dem „7. Sinn“ (eine langjährige Fernseh-Reihe) ließ die Verkehrswacht
Duisburg e. V. einen Film zur Verkehrserziehung drehen. In der schweren Zeit nach dem Börsenkrach von 1929 scheute
Duisburg hier weder Kosten noch Mühen, um einen Film über die Gefahren des Straßenverkehrs zu drehen und auch
ein wenig Werbung für öffentliche Verkehrsmittel zu betreiben. Unter den Stiftern zu diesem Film finden sich auch
zahlreiche Versicherungsgesellschaften, die sicher auch an mehr Verkehrssicherheit interessiert waren.
Der Film zeichnet sich durch eine echte Handlung aus, die noch dazu hochaktuell in die damalige Zeit passt.
Auch die teilweise slapstickhaften Unfallszenen sind ganz im Stil der damaligen Zeit gedreht. Noch lustiger purzelten damals
nur noch Dick und Doof aus der Straßenbahn.
Am Beginn der Weltwirtschaftskrise sind Arbeitsplätze bereits Mangelware. Ein befreundetes Paar
fährt mit der Straßenbahn quer durch Duisburg zum Schwimmstadion an der Wedau. Unterwegs beobachten sie aus der Bahn
diverse gefährliche Szenen im Straßenverkehr und kommentieren sie (auf Zwischentafeln). Von der Wedau geht im weiteren
Handlungsverlauf dann das Wettrennen von vier Männern um eine Arbeitsstelle am anderen Ende der Stadt los. Jeder nutzt ein
anderes Verkehrsmittel: Motorrad, Auto, Fahrrad und Straßenbahn treten gegeneinander an. Jeder der vier erlebt zahlreiche kritische
Verkehrssituationen, selbst der Straßenbahnnutzer muss in den Bus umsteigen, weil jemand unter die Tram geraten ist.
Die anderen drei begehen selbst diverse Verkehrsverstöße und werden natürlich von der Polizei erwischt. Der Pkw-Fahrer wird
gar von einer Straßenbahn umgefahren, als er unachtsam abbiegt. (Hier trifft mal wieder zu: Je älter das Auto im Film,
desto wahrscheinlicher ein Crash. Und das Unfallauto ist selbst für 1930 schon ein ziemlich altes Modell.) Gewinner des
Rennens ist der Nutzer des öffentlichen Personen-Nahverkehrs, sicher nicht ohne Absicht.
In dem Film sind häufig Duisburger Straßenbahnwagen zu sehen. Namentlich sind zu erkennen
die Triebwagen 100, 187, 199 und 327. Einige davon tauchen mehrfach auf, dies natürlich auch, weil viele Szenen eigens gestellt wurden.
Stadt der tausend Feuer
Produktion: BRD 1950, Burg-Film Produktion GmbH (Hamburg)
Uraufführung: 17.12.1950 (Schauburg, Alt-Gelsenkirchen), Prädikat: wertvoll
Auftraggeber: Stadt Gelsenkirchen und diverse Unternehmer aus Gelsenkirchen
Regie: Jost Graf von Hardenberg (dieser auch Kamera)
Laufzeit: unbekannt
schwarzweiß, 35 mm (auch 16-mm-Versionen bekannt)
Einer der ersten „Stadtfilme“, die einen Überblick über die Jahresleistung einer Stadt zeigen sollten.
Diesmal: Industrie in Gelsenkirchen mit Eisenhütten, Bergwerken, Metallbetrieben, der neu entstandenen Glas- und der Hausgeräte-Industrie,
Grünanlagen, Kultur- und Einkaufsangeboten. Zwei Zugfahrten (Dampflok mit preußischen Abteilwagen, Dampfzug mit vierachsigen Altbaupersonenwagen),
Straßenbahnen (meist Vorkriegsfahrzeuge).
Benzol – Kraftstoff aus Kohle
Produktion: BRD 1950/51
Regie: Erich Menzel
Kamera: Hermann Bluemel
Laufzeit: 27'
schwarzweiß
Dieser Industriefilm wurde von der Kohlenwertstoff AG, Gruppe Benzin-Benzol Vertrieb (BV) in Auftrag gegeben und
zeigt sehr detailliert die Herstellung und Verwendung von Benzol. Hintergrund war die gerade wiedergewonnene „Freiheit“ nach
Aufhebung der Treibstoffbewirtschaftung nach dem Krieg. Der Fílm war für Werbezwecke vor Fachpublikum gedacht und sollte die
wieder beginnende Benzinproduktion in Deutschland unterstützen.
Für Benzin braucht man auch Benzol, welches als wertvolles „Abfallprodukt“ bei der Kohleverkokung entsteht.
Der Film zeigt den Weg der Kohle in die Kokerei und dort sehr anschaulich die Verkokung. Hierbei wird auch der Trickfilm eingesetzt.
Insbesondere die Vorgänge bei der Veredelung des Benzols im Chemiewerk wird im Trickfilm gezeigt. Dass der Film auch künstlerisch
anspruchsvoll war, zeigt eine Szene über die Entstehung und das Verhalten der Benzolmoleküle und Atome. Sie und der berühmte
Benzolring werden durch Ballett-Tänzer dargestellt.
Für den Eisenbahnfan bieten sich Szenen bei der Förderung der Kohle mit Kohlehunten untertage und auf
der Hängebank. In einer Luftaufnahme der Zeche (Zollverein, Essen) passiert gerade eine Dampflok mit preußischen Abteilwagen das Bergwerk.
Der Prozess der Verkokung wird ausführlich gezeigt, wobei mehrfach Kokslöschloks und Wagen im Einsatz zu beobachten sind.
Die Rheinwerft Walsum der Gutehoffnungshütte
Produktion: BRD 1952
Regie: unbekannt
Laufzeit: 12'
schwarzweiß, stumm
Detailliert vorgestellt wird in diesem Stummfilm (!) die Rheinwerke der Gutehoffnungshütte (GHH) in Walsum.
Gegen Ende des Filmes kommt zum Thema „Zufuhr der Vorprodukte aus den GHH eigenen Stahlwerken“ eine kurze Werkbahnszene mit einer
kleinen Dampflok mit Zug vor.
Rohgasadern Einbau einer Messstrecke in die Rohgasleitung Kokerei 3/7 Hamborn
Produktion: BRD ca. 1954
Regie: unbekannt
Laufzeit: 14'
schwarzweiß
Auch Filme mit den drögesten Titeln können hochamüsant sein. Gezeigt wird hier der Austausch eines 20 Meter
langen Rohrstückes inclusive einer Messblende. Der Film wirkt etwas laienhaft gedreht, einige Szenen sind nahe am Slapstick. Der Kommentator spricht
leichten Slang und etwas unbeholfen, die Musik muss aus den dunkelsten Schellackplattenbeständen der Vorkriegszeit hervorkramt worden sein.
Und es kommt Eisenbahn vor. Das neue Rohrstück wird beim Hersteller auf einen langen Rungenwagen verladen
und von einer Werkbahndampflok zur Einsatzstelle gebracht. Dort wartet ein Dampfschienenkran der Bundesbahn auf seinen Einsatz. Die Werkbahndampflok
ist immer mal wieder zu sehen, die Fachwelt glaubt die Betriebsnummer 29 erkannt zu haben und vermutet eine normalspurige Dampflok des
Düsseldorfer Herstellers Hohenzollern vom Typ „Crefeld“ (Bauart Cn2t).
Während des Einbaus passiert ein weiterer Werkbahndampfzug die Szene, und es ist eine weitere Werklok zu sehen.
Auftraggeber des Filmes war die Thyssensche Gas- und Wasserwerke GmbH, Duisburg-Hamborn.
Stählerne Straßen
Produktion: BRD 1955
Uraufführung: 21.03.1956, Düsseldorf
Regie: vermutlich Walter Brandes
Laufzeit: 33'
schwarzweiß
Dieser Film wurde von der Beratungsstelle für Stahlverwendung und von der Deutschen Bundesbahn in Auftrag
gegeben und sollte darstellen, für was alles bei der DB Stahlerzeugnisse benötigt werden. Die DB sollte als
Stahlgroßverbraucher dargestellt werden, einzelne Stahlhersteller werden dagegen nicht genannt, obwohl hinsichtlich
der Drehorte Bochum, Duisburg und die Henrichshütte in Hattingen bekannt sind.
Für einen „Industriefilm“ ist der Streifen bemerkenswert künstlerisch ambitioniert. Von
der Anfangsszene mit einer wasserbetriebenen Hammerschmiede und dem Transport per Pferdekarren wird der Bogen zu den „stählernen
Straßen“ der Bahn gespannt. Hier werden nacheinander die Produktion von Schienen, Weichen und neuen Eisenbahnbrücken
gezeigt. Angefangen von den Stahlwerken und den Schienenwalzstraßen bis hin zur Montage vor Ort. Das Schmieden, Walzen und Ziehen
von Produkten wie etwa Hülsenpuffern folgen. Es werden Eisenbahnräder produziert und Zylinder für Dampfloks gegossen.
Bleche wandern von Walzwerk zu den Waggonbauanstalten und werden zu Güterwagen und Personenwagen – in dem Film am Beispiel
der seinerzeit neuesten Innovation, der Umbaudreiachser, gezeigt. Unterstützt werden die Aufnahmen jeweils durch die Nennung
genauer Stück- und Tonnagezahlen der jeweiligen Produkte.
Neben den vielen Detailaufnahmen finden sich auch einige Streckenaufnahmen, so über die neuen Brücken aus Stahl,
die frisch verlegten Schienen und die Fahrt aus der Sicht eines Lokführers. Zu sehen sind neben Dampfloks auch Güterzüge mit
DB-Elektroloks der Baureihe E 94 und Personenzüge mit E 18 (eventuell auch E 19). Zwei Maschinen konnten identifiziert werden:
Die DB-Dampfloks 01 070 und 50 2704 hatten Statistenrollen.
Feuer an der Ruhr – Werkstatt für Europa
Produktion: BRD 1957
Regie: unbekannt
Laufzeit: 72'
Farbe
Der Film war die erste umfassende Selbstdarstellung des Ruhrgebietes nach dem Zweiten Weltkrieg. Auftraggeber war der
Unternehmensverband Ruhrbergbau. Gezeigt werden sollte die Ruhr als unaufhörlich arbeitende Industrie-Metropole, die Ströme von
Kohle und Stahl verbindet, der Mensch in seiner Arbeitswelt und auch der Kreislauf des Arbeitslebens bis hin zum Feierabend in der
Zechensiedlung. Dementsprechend ist der Film ständig in Bewegung. Er arbeitet überwiegend mit Musik, nur wenig gesprochenem
Kommentar und den zahlreichen Geräuschen des Alltags.
Neben zahlreichen Einblicken in Produktionsabläufe der Montanindustrie bekommt auch der Eisenbahnfan etwas geboten.
Eine lange, rastlose Sequenz bereits am Anfang zeigt bei einer Mitfahrt auf einem Güterzug aus offenen E-Wagen den Weg der Kohle
durch das Ruhrgebiet. Zechen, Stahlwerke, Siedlungen, Verkehrswege ziehen an der Kamera vorbei, oft aus einem Waggon gefilmt, die
lauten Geräusche des Zuges treiben den Zuschauer voran. Außer Gleisanlagen sind Züge zu sehen, vor einem davon
eine DB-Dampflok der Baureihe 50. Schließlich erreicht die Kamera eine Zeche. Dort rangiert eine Tenderlok mit der Bezeichnung
„D10“, danach sind Waggons der Gelsenkirchener Bergwerks AG (GBAG) zu sehen. Es könnte sich um die von Henschel
1947 unter der Fabriknummer 29888 für die GBAG gebaute Maschine handeln, eine später von der Ruhrkohle AG (RAG) als D-373
eingereihte Dn2t vom Typ D 600.
Außerdem sehen wir eine Doppelausfahrt zweier Werkbahnloks und die DB-Tenderdampflok 94 1083 beim Rangieren.
Ausführlich wird auch ein Koksofenbetrieb porträtiert, wo eine Kokslöschlok in Aktion ist. Untertage kommt dann noch eine
Grubenakkulok ins Bild. Bei Aufnahmen im „Zivilleben“ der Menschen befährt gelegentlich ein damals vermutlich neu gelieferter
sechsachsiger Gelenk-Straßenbahnwagen eine idyllische eingleisige Strecke, später huscht auch ein Aufbauwagen (also ein unter
Verwendung von altbrauchbaren Vorkriegs-Fahrgestellen neu hergestellter Straßenbahnwagen) durchs Bild.
Eine kleine Szene spielt in einem Werkbahnstellwerk, durch dessen Fenster eine vorbeifahrende Werkbahndampflok mit
Koks-Kübelwagen auszumachen ist. Schienenfahrzeuge in den Tiefen der Stahlwerke sind wegen der Dunkelheit dort kaum zu erkennen, doch
auch hier wird auf der Schiene transportiert.
Schichten unter der Dunstglocke
Produktion: BRD 1959, IFAG Filmproduktion GmbH (Wiesbaden)
Auftraggeber: Stadt Oberhausen, Presse- und Werbeamt
Uraufführung: 22.02.1960 (als Eröffnungsfilm der VI. Westdeutschen Kurzfilmtage Oberhausen)
Regie: Herbert Viktor (auch Buch)
Kamera: Ted Kornowicz
Laufzeit: unbekannt
Farbe (35 mm)
Einer der „Stadtfilme“, die eine filmische Übersicht über eine Ruhrgebietsstadt geben.
Industrie, Verkehrswege und Stadtlandschaft, Eisenbahnszenen: eine Werkbahndampflok im Verschub, Dampflok 94 74x der Bundesbahn
rangierend und eine Waggonkippanlage (Kippung über Stirnfront), einen „Glück-auf-Bahnübergang“ (wenn man
Glück hat, ist er auf) passiert zweimal ein Schienenbus-Pärchen der Bundesbahn; alte Straßenbahnen, unter anderem ein
Vorkriegstriebwagen mit einem KSW-Beiwagen (Kriegsstraßenbahnwagen).
Im Bruchteil von Sekunden Die Zentrale Datenverarbeitung Hoesch
Produktion: BRD 1960/61
Uraufführung: 10.Mai 1961, Dortmund
Regie: Karlheinz Graudenz
Laufzeit: 21'
Farbe
Die Stahlindustrie nutzte schon früh die Möglichkeiten der Datenverarbeitung, angefangen in den 1920er
Jahren mit den ersten Rechenmaschinen. Diese Entwicklung setzte sich nach dem Krieg fort, die Rheinischen Stahlwerke in Essen beispielsweise hatten
engen Kontakt zu Konrad Zuse, dem deutschen Computerpionier.
Hoesch in Dortmund musste schon früh Standortnachteile durch Rationalisierung ausgleichen und setzte dafür früh
Computer ein. Der Film zeigt den Stand der Technik im Jahre 1960, damals der „letzte Schrei“. Detailliert werden die noch mit Lochkarten
betriebenen Geräte erklärt, die heute fast steinzeitlich anmuten. Als Beispiel sei nur der Wechsel eines Programms genannt.
Wird so etwas heute mit dem Aufruf einer kleinen Datei erledigt, so musste damals
ein in einem schubladengroßen und wild verkabelten Kasten untergebrachtes Modul per Hand ausgetauscht werden.
Trotz der seinerzeit modernen Technik bringt der Film mehrere Schwenks durch Werksanlagen, auf denen immerhin drei Werkbahnzüge mit vierachsigen Dampfloks im Einsatz
stehen.
Ein Hüttenwerk in der Wüste
Produktion: BRD (um 1960/61), HGP Filmgesellschaft (Berlin)
Regie: Georg Paxmann
Laufzeit: 12'
Farbe
Ein Industriewerbefilm für die DEMAG als Kurzfassung des bereits 1958/59 in englisch gedrehten
DEMAG-Filmes „Stahl aus der Wüste“ für die 1. Internationalen Industriefilmspiele in Turin Juni 1961.
Gezeigt wird der Aufbau des Hüttenwerkes in Heluan (Ägypten) durch die DEMAG. Zwei Szenen mit kurzen Werkbahnzügen
(Dieselloks). Einmal eine dreiachsige Diesellok, bei der es sich um eine frühe Nachkriegs-Henschel mit Endführerstand
und noch an V20/V36 erinnerndem Aufbau handeln könnte. Die zweite Szene zeigt eine Lok von Ganz-MAVAG. Es ist eine dreiachsige
Type, die vom Aussehen der V36 ähnelt.
Kahl
Produktion: BRD 1961
Laufzeit: 12'
Farbe
Ein Film über den Forschungs-Atomreaktor Kahl bei Aschaffenburg. Etwas dramatisch wird am Filmanfang der Transport vom Schiff im Nordseehafen
per Zug nach Kahl dargestellt. Waggons und Loks sind meist nur angeschnitten zu sehen.
Hochofenschlacke der ATH für den Straßenbau. Auswahl, Verwertung u. Prüfung der Schlacken nach den technischen Lieferbedingungen der Norm: DIN 4301
Produktion: BRD 1962
Uraufführung 10.01.1962
Regie: Regie: Rolf Epha
Laufzeit: 23'
schwarzweiß
Die Länge des Filmtitels dürfte alle Rekorde schlagen. Und genau so ausführlich, wie der Titel es bereits andeutet, wird
auch das Thema der Verwertung von Hochofenschlacke gezeigt. Von der Entstehung am Hochofen über den Abtransport, die Analyse im Labor
bis zur Verarbeitung und Lagerung. Hintergrund für den Film war die Überarbeitung einer Norm aus dem Jahr 1941, die 1962 als DIN 4301 neu
eingeführt wurde. Der Film wurde dann auch entsprechendem Fachpublikum gezeigt.
Die Eisenbahn kommt auch in diesem Film vor. Gedreht wurde in Duisburg bei der August-Thyssen-Hütte (ATH). Mehrfach
sehen wir Schlackenzüge aller Arten, ausschließlich von Elloks aus dem Bestand von EH (Gemeinschaftsbetrieb Eisenbahn und Häfen,
Duisburg-Hamborn) gezogen. Die Szenen reichen vom Abstich über Streckenfahrten bis zum Abkippen. Zwei der Loks konnten nummernlich erkannt werden: EH 23 und EH 52.
GHH in India
Produktion: BRD 1963
Regie: Paul Schneidersmann
Laufzeit: 12'
Ein Industriewerbefilm der Gutehoffnungshütte für den indischen Markt. Berichtet wird
über die Errichtung des Stahlwerkes Rourkela in Indien sowie über weitere Baustellen der GHH in Indien.
Im Teil über die Hütte Rourkela sind drei Werksdiesellokomotiven mit Zügen zu sehen: zweimal eine
vierachsige Mittelführerstandstype, bei der es sich um eine weit verbreitete dieselelektrische US-Type des
Herstellers General Electric handelt, sowie eine unbekannte Endführerstandslok.
Riesenstadt Ruhrgebiet
Produktion: BRD 1964
Laufzeit: 26'
schwarzweiß
Eine modernere Form der Darstellung des Ruhrgebietes. Der Film entstand im Auftrag des Unternehmensverbands
Ruhrbergbau und wurde aus den drei Folgen einer Ruhrgebietsdoku des Westdeutschen Werbefernsehens neu zusammengeschnitten.
Er entwirft ein positives Bild vom Ruhrpott, wo man seinerzeit immer noch auf und von der Kohle und vom Stahl lebt. Die
Kohlenkrise Ende der 1950er Jahre ist in diesem Film ausgeblendet ebenso wie der sich abzeichnende Strukturwandel.
Die vorgeblich „heile“ Montanwelt wird mit Szenen von Parks, Natur und der kaum noch von Schiffen
genutzte Ruhr aufgewertet. Der Satz „Den Förstern ist es gelungen, Bäume zu züchten, die die
Luftverschmutzung besser verkraften“ treibt 2010 bei der Aufführung des Films Lachsalven durch den Kinosaal.
Über einen kurzen Abriss auf die Historie mit alten Burgen gelangt man zu den „Burgen“
der Zechen und zeichnet ein modernes und doch traditionelles Ruhrgebiet, das offensichtlich eine große Zukunft vor sich
hat. Die 1964 schon bestehenden Probleme werden einfach ausgeblendet.
Natürlich finden sich auch in diesem Film Schienenszenen. Neben den immer mal wieder auftauchenden
Straßenbahnen zeigt man beispielsweise auch Güterzüge, gezogen von 1’E-Dampfloks der DB-Reihe 50.
Einige Einfahrtszenen am Bahnhof Duisburg Hbf bringen weitere Bundesbahn-Fahrzeuge ins Bild: eine Ellok der Baureihe E 41,
einen TEE-Dieseltriebzug der Reihe VT 11 (spätere Baureihe 601) oder auch die Dampflok 41 014 (1’D1’).
Ordnung oder Unordnung im Verkehr?
Produktion: BRD (ca. 1965)
Laufzeit: 10'
Farbe
Ein von der Essener Verkehrs AG (EVAG) gedrehter Film über verschiedene Verkehrssituationen. Selbst die nachgestellten Szenen mit
in Busbuchten parkenden oder vor der Straßenbahn abbiegenden Autos wurden mit Fahrzeugen von EVAG-Mitarbeitern realisiert. Zu sehen sind
zahlreiche Straßenbahnzüge aus den 1950er und 1960er Jahren (unter anderem Triebwagen 1701) sowie Busse aus den 1960er Jahren, darunter auch
Anderthalbdecker.
Nahverkehr... heute und morgen
Produktion: BRD (ca. 1965)
Regie: unbekannt
Laufzeit: 9'
Farbe
Auch dieser Film wurde von der Essener Verkehrs AG (EVAG) in Auftrag gegeben. Er sollte zum einen die wachsenden Probleme zwischen
Straßenbahnen, Bussen und dem zunehmenden Individualverkehr aufzeigen und darüber hinaus für moderne Strecken werben, insbesondere
für solche mit eigenem Gleiskörper. Als Beispiele werden am Schluss bereits bestehende Strecken in der Mitte des Ruhrschnellweges gezeigt.
Hochinteressant sind die Aufnahmen in der historischen Altstadt von Essen-Steele. Zahlreiche aus heutiger Sicht
haarsträubende Szenen spielen sich dort ab. Bahnen quetschen sich mit geringstem Abstand an Hauswänden vorbei, ein Fensterputzer muss von
seiner Leiter, damit die Bahn vorbei kann. Gedreht wurde auf der Linie 9, auch aus der Sicht des Fahrers, der unter anderem mit Falschparkern zu
kämpfen hat. Ebenso hat der Linienbus Probleme in engen Unterführungen. Die Szenen sind zum Teil gestellt, daher kommen
einige Triebwagen mehrfach vor. Erkannt werden konnten die Wagen 1514, 1802 und 1803.
Hüttenwerk Huckingen
Produktion: BRD 1967
Laufzeit: 20'
Farbe
Produziert hat den Film die Roto-Film GmbH, Hamburg, Auftraggeber war die Mannesmann AG, Düsseldorf. Wir
sehen einen Querschnitt aus der damaligen Stahlproduktion von Mannesmann; gegen Ende wird der Abtransport der fertigen Ware thematisiert.
Dabei sind Filmaufnahmen zu sehen vom Betrieb im großen Rangierbahnhof des Werks. Gezeigt werden auch die dortigen vierachsigen Dieselloks 201 und 203
(KHD 1964 und 1966, Typ DG1000BBM, Bauart B’B’) vor Zügen. Wohl wenig bekannt ist deren damalige Lackierung, nämlich rot mit gelber
Bauchbinde. In dieser Farbgebung taucht auch eine Krupp-Lok (440-PS-Typ) auf, die Nummer ist nicht erkennbar. Eine Bundesbahn-Dampflok der Baureihe 55.25
bringt den fertigen Zug dann aus dem Werk.
Kohle und Computer
Produktion: BRD 1970
Regie: Regie: Günther Schnabel
Laufzeit: 10'
Farbe
Der Film wurde vom Gesamtverband des deutschen Steinkohlebergbaus in Auftrag gegeben. Er zeigt den bereits von
Krisen gebeutelten Bergbau als modernes Unternehmen, das Tradition mit modernster Technik verbindet. Anhand eines Auftrages über
eine Kohlelieferung und dessen Weg von der Förderung bis zur Lieferung wird demonstriert, wo überall dabei schon
die elektronische Datenverarbeitung (EDV) zum Einsatz kommt. Dies nicht nur in der Verwaltung, sondern auch bei den Grubenbahnen untertage.
Der Film enthält einige Eisenbahnszenen: Kohlezüge sind mit Elektrolokomotiven der DB-Reihe E 40 bespannt.
Grubenbahnzüge werden von Elloks befördert, die ferngesteuert werden. Hierbei handelte es sich um einem Versuchsbetrieb mit
fünf Loks von BBC (Brown, Boveri & Cie), die als „A“ bis „E“ bezeichnet wurden. Ihre Fernsteuerung erfolgte
über ein zwischen den Schienen verlegtes Kabel als „Linienleiter“. Der Versuchsbetrieb fand auf der Zeche Shamrock statt.
Die Pilotanlage für ferngesteuerte elektrische Grubenbahnen war Jahre zuvor in einem Steinbruch in Kelheim/Donau errichtet worden.
Dort gab es einen Kreisverkehr mit BBC-Elloks, die dann auf vollautomatischen Betrieb umgestellt wurden. Desweiteren sind in dem Film
Gleisbildstellwerke untertage und an der Hängebank zu sehen. Es folgt die Verladung in Kohlewaggons und deren Verschub durch eine Werkbahndampflok.
Thyssen International Liberia
Produktion: BRD 1973, August Thyssen Hütte AG
Regie: Eugen Wothe
Laufzeit: 5' (16 mm)
Farbe
Ein Industriefilm, der auf der Hannover-Messe 1974 gezeigt wurde und Bestandteil der Präsentation des Thyssen-Konzerns
als Global-Player war. Gezeigt wird die Erzgrube in Liberia, die mit einer 80 Kilometer langen Eisenbahnlinie mit dem Hafen von Monrovia
verbunden war. Die Bahn findet im Film Erwähnung und wird mit einer Streckenaufnahme und einem Kamerablick vom letzten
Wagen des fahrenden Zuges nach vorne gewürdigt. Zuglok ist Lok 2000-03 (Krauss-Maffei 19116/1964, dieselelektrische Lok
mit Wagenkasten wie DB-E40).
Eiszeit nach Maß Bau und Wasserführung von Los 4 Stadtbahn Duisburg
Produktion: BRD 1982
Regie: unbekannt
Laufzeit: 20'
schwarzweiß
Thema des Filmes ist die besondere Grundwasserproblematik beim Bau der U-Bahn-Haltestelle König-Heinrich-Straße in Duisburg.
Es wurde dort ein spezielles Vereisungsverfahren angewendet. Neben den technischen Einzelheiten werden auch Szenen aus dem Betrieb vor
dem U-Bahn-Bau gezeigt, als die Bahn noch überirdisch fuhr. Dabei fahren zahlreiche von Düwag hergestellte Trams durch Bild, unter anderem die Triebwagen 1364 und 1062.
Autor dieser Filmbesprechungen: Frank Glaubitz
Online: 01.11.2009
Version vom 16.01.2011
Status: 17.01.2011
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